Stefan Jagenteufl – Der Garten-Rekonstrukteur

„Eine Barocke Anlage braucht immer eine Achse. Diese hier hat sogar zwei.“ Stefan Jagenteufl sitzt im Pretlackschen Gartenhaus und erzählt über den Prinz-Georg-Garten. Seit bald 25 Jahren arbeitet er hier: „Vorher war das hier wie ein kleiner Stadt- oder Kurpark, heute sieht es so aus wie zwischen 1780 und 1820.“

Dazu war viel Arbeit nötig. Es existierten zwar historische Dokumente und Zeichnungen, doch die waren nicht immer eindeutig. Von der Sitznische etwa existierte ein historisches Bild, auf dem zwei Personen darin sitzen. „Wir haben dann nachgeforscht, wie groß die Menschen damals durchschnittlich waren, und das Ganze rekonstruiert“, erzählt Jagenteufl schmunzelnd, „eine kleine Detektivarbeit.“

 

Prinz-Georg-Garten
Stefan Jagenteufl ist es zu verdanken, dass der Prinz-Georg-Garten heute wieder so aussieht wie zum Ende des 18. Jahrhunderts.

 

Als er das Gelände am nordöstlichen Rand des Herrengartens übernahm, war Stefan Jagenteufl mit 25 Jahren der jüngste Gärtnermeister Hessens. Ein tatendurstiger und fokussierter Mann könnte man meinen, doch ganz so klar war das mit dem Gärtnern zumindest am Anfang nicht. „Ich habe in verschiedene Bereiche geschaut: Zimmermann, Elektriker, Schreiner und schließlich den historische Gartenbau“, erinnert er sich, „das hat mich am meisten fasziniert.“ Es folgte eine Lehre in seiner Heimatstadt, im Schlosspark von Bad Homburg. Im Zivildienst arbeitete er als Gärtner bei der Wohlfahrt, als Geselle reiste er nach Syrien, in die Türkei und den Irak. Schließlich machte er seinen Meister im Garten- und Landschaftsbau: „Golfplätze, Autobahnen, Tiefbau – da muss man alles können.“

„Ein englischer und ein barocker Garten – mehr kann man gar nicht haben.“

Der Prinz-Georg-Garten war dann die erste Anlage, für die er die Verantwortung übernahm. 2005 fusionierte er ihn mit dem Fürstenlager in Auerbach zu seinem gemeinsamen Aufgabenbereich. „Die Kombi ist klasse. Der Prinz-Georg-Garten ist die kleinste Anlage Hessens,das Fürstenlager ist mit 46 Hektar die zweitgrößte.“

Bis vor einigen Jahren wohnte er er quasi auch in dem Darmstädter Park, genauer gesagt im Pretlackschen Gartenhaus. „Als ich dann ausgezogen bin, dachte ich mir, dass die Nutzung schon öffentlich sein muss.“ Er kaufte Regale und setzte einen dreizeiligen Aufruf zu Bücherspenden in die Zeitung. „Wir haben direkt etwa 14.000 Bücher zusammen bekommen“, lacht Jagenteufl. Seitdem kann dort jeder Bücher mitnehmen oder welche hinbringen.

 

Bücherei im Pretlackschen Gartenhaus
Aus seinem früheren Schlafzimmer hat Stefan Jagenteufl einen öffentlichen Bücherschrank gemacht – oder eher mehrere Schrankwände.

 

„Man kann noch ein bisschen mehr spielen.“

Und auch ansonsten lädt der Prinz-Georg-Garten nicht einfach „nur“ zum Spazieren ein. Für Konzerte wurde er schon mit vielen Kerzen illuminiert, im wiederaufgebauten Heckentheater von 1779 werden jeden Sommer Stücke aufgeführt. Die ungespritzten und ungedüngten Obst- und Kräuterarten, die hier wachsen, kann man vor Ort kaufen. Die Bemühungen von Stefan Jagenteufl sind offensichtlich ein voller Erfolg. „Die Gesamtanlage ist relativ gut gelungen“, sagt auch er selbst, denkt aber direkt weiter: „Jetzt stimmt die Architektur und man kann sich auf die Pflanzenauswahl konzentrieren. Die ist aktuell noch sehr neuzeitlich.“

geschrieben von Jonas Mayer – DAhinter

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